Rede 22.3.03, am Römerplatz, Frankfurt

Michael Morrissey

 

Vor 36 Jahren, mitten im Vietnam Krieg, hat Martin Luther King die damalige verbrecherische amerikanische Regierung den grössten Gewalttäter der Welt genannt. 

 

Nichts hat sich daran geändert.

 

MLK beschuldigte damals unsere Regierung, das eigene Volk vernachlässigt und es in den Krieg geschickt zu haben. 

 

Nichts hat sich daran geändert.

 

Damals hiess es, Dörfer müssen verbrannt werden, um sie zu retten.  Heute heisst es, Baghdad muss bombardiert werden, um die Irakis zu befreien.

 

Die Worte von Martin Luther King treffen auch heute noch den Nagel auf den Kopf -- und dieser Nagel ist ein Nagel im Sarg Amerikas:

 

Jeden Tag, den der Krieg fortschreitet, wächst in den Herzen der Menschen, die humanitäre Instinkte haben, der Hass.  Die Amerikaner zwingen sogar ihre Freunde dazu, ihre Feinde zu werden.  Es ist seltsam, dass die Amerikaner, die die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Sieges so sorgfältig berechnen, nicht erkennen, dass sie gleichzeitig damit eine tiefe psychologische und politische Niederlage hinnehmen müssen.  Das Image Amerikas wird nie wieder das Image von Revolution, Freiheit und Demokratie sein, sondern von Gewalt und Militärismus.

 

Nichts hat sich daran geändert.

 

Im Gegenteil.  Es ist schlimmer geworden. 

 

Jetzt haben wir nicht nur, wie in Vietnam, einen illegalen, verfassungswidrigen, ungerechten Krieg, sondern einen Krieg, der nur auf transparente Unwahrheiten, Verfälschungen, und Lügen basiert, der in schamloser Verachtung aller internationaler Organe und völkerrechtlichen Prinzipien gegen alle Moral verstösst, der obendrein der Welt eine neue, barbarische, wahnsinnige Vorstellung auferlegt.

 

Diesr Wahnsinn heisst Präventivkrieg:  Krieg, um Krieg zu vermeiden.  Dieser Wahnsinn -- ist jetzt die offizielle Verteidigungsstrategie der mächtigsten Nation der Erde. 

 

Dieser Krieg ist, wie der Papst sagt, eine Niederlage für die Menschheit.

 

Alle haben versagt.  Die UNO hat versagt.  Die Politik hat versagt, und zwar in allen Ländern wo die Regierungen die Meinung ihrer Bevölkerungen missachten. 

 

Gott sei dank, dass die Bundesregierung Deutschlands sich anders verhält.

 

Besonders hat die Politik in Amerika versagt, wo sich die US-Politiker beider Parteien fast wie im deutschen Reichstag in 1933 so gut wie selbst ausgeschaltet haben. 

 

"Wir verharren passiv und stumm im Senat der Vereinigten Staaten," sagt der jetzt 85-jährige Robert Byrd, der jetzt als wilder Radikaler angesehen wird, "paralysiert von unserer eigenen Unsicherheit, scheinbar betäubt durch den schieren Aufruhr der Ereignisse".

 

Und die Medien.  Wieder besonders in Amerika haben die Massenmedien nicht nur versagt, sondern sich als willige Komplizen der Regierung mitschuldig gemacht. 

 

Wenn jetzt zwei Drittel der amerikanischen Bevölkerung hinter ihrem irren, schiesswutigen Präsidenten stehen, ist es hauptsächlich Dank des verheerenden Drucks der US-Massenmedien, die schon längst ihre journalistische Integrität und Seele verkauft haben. 

 

Aus dem ursprünglichen so-genannten Wachhund der Freiheit ist nur noch ein hässlicher Schosshund geblieben. 

 

Ich kann sie kaum noch ansehen, diese lächelnden CNN Hohlköpfe, die aus der Grausamkeit eines Krieges eine glitzernde Reality-TV-Show machen, die von einem Drittel der Amerikaner -- immerhin za. 100 Millionen Menschen, die diesen Krieg nicht wollen, fast nichts berichten.

 

Noch etwas hat versagt, besonders in Amerika.  Die Bildung.  Die verdummte Gesellschaft, die Gesellschaft von MTV, Beavis and Butthead, and Jackass, wo das Bildungswesen sich rapide in eine rein kommerzielle Angelegenheit entwickelt, bezahlt jetzt den Preis ihrer Ignoranz und Naivität und wird zum Kanonenfutter.

 

Wie ist es dazu gekommen?  Wie konnte George Bush der Zweite uns so weit in die Schöne Neue Weltordnung hineinbringen, die sein Vater schon im ersten Golfkrieg angekündigt hat?

 

Um diese Frage zu beantworten, könnten wir zurück schauen bis 1963, als Präsident Kennedy erschossen wurde, oder bis 1968, als sein Bruder Robert und Martin Luther King erschossen wurden. 

 

Sie wurden alle von den gleichen kriegstreiberischen Mächten umgebracht, die uns damals Vietnam auferlegt haben, und jetzt Irak.

 

Aber wir brauchen eigentlich nicht weiter in die Geschichte zurückzugehen als November 2000, um die Lage zu erkennen. 

 

George Bush hat die Wahl nicht gewonnen, sondern gestohlen.  Er ist nur an die Macht gekommen durch die höchst undemokratische Intervention des Bundesgerichtshofes.  Er wurde nicht vom Volk gewählt. 

 

Wir hätten schon damals machen sollen, was wir jetzt machen.  Aber wir sind nicht auf die Straße gegangen, und das war ein Fehler.

 

Dann kam der 11. September, und jetzt haben wir Homeland Security, Total Information Awareness, Patriot Act 1, und bald Patriot Act 2, und damit das Gerüst eines veritablen Polizeistaates.  Die US-Verfassung ist nur noch eine Farce.

 

Und jetzt haben wir Krieg -- einen präventiven anti-Terror Terror-Krieg, der ewig dauern wird.  Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Nordkorea. 

 

Der Krieg wird den Terror nur verstärken und damit den weiteren Ausbau des Polizeistaates rechtfertigen. 

 

Das ist nicht die Logik des Krieges, die gar nicht existiert, weil sie Wahnsinn ist. 

 

Das ist die Logik des Faschismus und Imperialismus. 

 

Terror zu Hause und Krieg im Ausland. 

 

So sind alle Diktaturen entstanden, und die USA ist auf dem besten Weg dahin.

 

Nur eins hat nicht versagt, und das ist die weltweite Friedensbewegung.

 

Die Friedensbewegung hat nichts zu tun mit Antiamerikanismus, aber sehr viel mit Antibushismus, Antifaschismus, Antiimperialismus, und Antibullshit-ismus. 

 

Und wir alle wollen diese Kriminellen im Weißen Haus, die aus den Vereignigten Staaten von Amerika die Vereignigten Schurkenstaaten von Amerika gemacht haben, los werden. 

 

Mit Regime-Wechsel fängt man am besten zu Hause an!

 

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